Kräuselt sich Deine Naht, reißt der Faden oder siehst Du kleine Löcher im Stoff? Oft liegt das nicht an Deiner Nähmaschine, sondern an zwei Kleinigkeiten, die großen Einfluss haben: der Nadelstärke und der Fadenspannung. Beides passt Du an Dein Nähgut und Dein Garn an, und dann läuft die Naht wie am Schnürchen.
In diesem Artikel erklären wir Dir, warum das so wichtig ist, was die Nadelstärke überhaupt bedeutet, und geben Dir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, mit der Du die richtige Nadel und die passende Fadenspannung für Dein Projekt findest.
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Die Stärke der Nähmaschinennadel bestimmt, wie die Naht aussieht
Eine zu dicke Nadel kann beim Einstechen Fäden im Textil beschädigen oder dafür sorgen, dass sich Deine Naht kräuselt. Das liegt daran, dass eine dicke Nadel ein größeres Loch in den Stoff sticht. Bei feinen oder empfindlichen Materialien kann das sichtbare Spuren hinterlassen oder die Materialstruktur schwächen.
Deshalb gilt als Faustregel: Je feiner die Nadel, desto geringer die Gefahr einer Materialschädigung. Gleichzeitig muss die Nadel eine gewisse Stärke haben, damit sie nicht bricht und außerdem den Nähfaden gut führen kann. Der Faden liegt beim Nähen in der längs verlaufenden Rille der Nadel. Ist die Nadel zu dünn, kann sie den Faden nicht mehr sauber aufnehmen und leiten. Die passende Nadel ist also immer ein Kompromiss, der sowohl von Deinem Nähgut als auch von Deinem Garn abhängt.
Unsere Merkregel dafür: Eine Nadel sollte so fein wie möglich und so dick wie nötig sein.
Neben der Nadel spielt außerdem die Garnspannung eine entscheidende Rolle für ein sauberes Nahtbild, dazu gleich mehr.
Was bedeutet 90/14 bei Nähmaschinennadeln?
Die Zahlen auf der Verpackung beschreiben ganz einfach die Dicke einer Nähmaschinennadel. Angegeben wird sie über die Nm-Nummer (Nummer Metrisch). Die Zahl gibt dabei den Nadelschaftdurchmesser in Zehntelmillimetern an: Eine Nadel mit Nm 90 hat also einen Schaftdurchmesser von 0,9 mm.
Neben der Nm-Nummerierung gibt es noch die in englischsprachigen Ländern verbreitete SIZE-Angabe. Auf der Verpackung steht dann zum Beispiel Nm 65/9. In beiden Fällen gilt: je höher die Zahl, desto dicker die Nadel.

Für Bekleidung bewegen sich gängige Nadelstärken in der Regel zwischen Nm 50 und Nm 150: feine Nadeln für leichte, empfindliche Stoffe wie Chiffon oder Organza, dickere Nadeln für robuste Materialien wie Jeansstoff oder Segeltuch. Für die meisten Näharbeiten kannst Du außerdem gut zu einem Universal-Nähgarn greifen, in Kombination mit der passenden Nadelstärke kommst Du damit schon sehr weit. Auch hier gilt wieder das gleiche Prinzip: so fein wie möglich, so dick wie nötig.
Zusammengefasst heißt das: steht zum Beispiel auf der Packung deiner Nadeln die Nummer 90/14, kannst du sie gut für etwas gröberen Stoff wie Cord oder Canvas verwenden.
Nähmaschinennadeln haben verschiedene Spitzen
Neben der Nadelstärke unterscheiden sich Nähmaschinennadeln auch in der Form ihrer Spitze. Grundsätzlich gibt es dabei zwei große Gruppen: Verdrängungsspitzen und Schneidspitzen.
Für normale Näharbeiten mit Webware oder Maschenware verwendest Du in der Regel eine Nadel mit Verdrängungsspitze, wobei es auch innerhalb dieser Gruppe wieder verschiedene Typen gibt. Für den Einstieg reicht meist eine Universalnadel völlig aus. Arbeitest Du dagegen mit Maschenware wie zum Beispiel Jersey, solltest Du zu einer speziellen Jerseynadel greifen, damit die Maschen beim Einstechen nicht beschädigt werden.
Das Thema Nadelspitzen ist so umfangreich, dass es einen eigenen Artikel verdient hat, den wir demnächst für Dich vorbereiten. Interessiert Dich das Thema? Schreib es uns gerne in die Kommentare, dann wissen wir, worauf wir als Nächstes eingehen sollten.
Wie wichtig ist die Fadenspannung?
Selbst mit der perfekten Nadel kann Deine Naht noch unsauber aussehen, wenn die Fadenspannung nicht stimmt. Ist die Fadenspannung falsch eingestellt, kann das verschiedene Folgen haben:
- Nahtkräuseln: Der Stoff kräuselt sich neben der Naht und sieht dadurch unschön aus.
- Weniger Stabilität: Die Naht verliert an Festigkeit und reißt gegebenenfalls schneller.
- Leiterbildung: Die Naht klafft auf, sodass ein leiterähnliches Muster sichtbar wird.
Nadel und Fadenspannung greifen also ineinander, deshalb solltest Du beides immer gemeinsam prüfen, wenn Du auf ein neues Material oder Garn umsteigst.
Anleitung: In 4 Schritten zur richtigen Nadel und Fadenspannung
Diese Anleitung hilft Dir, systematisch die passende Nadel für Dein Nähgut zu finden und anschließend die Fadenspannung korrekt einzustellen. Am besten arbeitest Du dafür mit einem Reststück des Stoffes, den Du auch für Dein Projekt verwenden möchtest. Hast Du schon zugeschnitten, kannst Du einfach ein Stück des Verschnitts verwenden.
Schritt 1: Nähen ohne Faden

Nähe zunächst über ein Reststück Deines Stoffes, ohne Faden einzufädeln. Nimm dafür auch den Unterfaden heraus.
Kontrolliere danach den Stoff: Sind an den Einstichen Löcher sichtbar? Dann ist die getestete Nadel zu dick für Dein Material. Teste in diesem Fall eine feinere Nadelstärke.
Schritt 2: Unterfadenspannung einstellen

Lege die Spule in die Spulenkapsel und fädle sie ein. Stelle die Spannung an der kleinen Schraube der Spulenkapsel so ein, dass die Kapsel bei festgehaltenem Faden langsam nach unten gleitet, sobald Du sie am Faden hängen lässt. Rutscht sie zu schnell oder gar nicht, justierst Du die Schraube entsprechend nach.
Schritt 3: Nähen mit Faden

Setze die Spulenkapsel wieder ein. Nähe nun mit allen Nadeln, die in Schritt 1 als geeignet erkannt wurden, jeweils eine Testnaht auf Deinem Stoffrest.
Prüfe die Nähte auf Kräuselungen. Wähle am Ende die Nadel aus, bei der Deine Naht am wenigsten kräuselt.
Schritt 4: Fadenverteilung kontrollieren und Oberfadenspannung einstellen
Du hast jetzt die passende Nadel gefunden. Jetzt fehlt nur noch die richtige obere Fadenspannung.
- Stelle Deine Maschine auf die Stichlänge ein, mit der Du später nähen möchtest.
- Nähe eine gerade Naht von etwa 15 cm Länge auf einem Stück Deines Stoffes, ohne sie zu verriegeln.
- Schneide Ober- und Unterfaden am Ende exakt ab.
- Trenne die Naht wieder auf, ohne dabei das Garn selbst durchzuschneiden.
- Ziehe beide Fäden auf die Oberseite des Stoffs und vergleiche ihre Länge.
So liest Du das Ergebnis:
- Sind beide Fäden gleich lang? Dann ist Deine Fadenspannung optimal eingestellt.
- Ist der Oberfaden länger? Dann musst Du die Oberfadenspannung erhöhen.
- Ist der Oberfaden kürzer? Dann musst Du die Oberfadenspannung verringern.
Wiederhole den Test nach jeder Anpassung, bis beide Fäden gleich lang sind.
Fazit: die richtigen Einstellungen sorgen für schöne Nähte
Die richtige Nadelstärke und eine sauber eingestellte Fadenspannung entscheiden oft darüber, ob eine Naht am Ende glatt und stabil sitzt oder kräuselt, reißt und den Stoff beschädigt. Mit unserer Anleitung findest Du für jedes Nähprojekt die passende Nadel und die richtige Spannung, egal ob Du mit leichtem Jersey oder festem Jeansstoff arbeitest.
Nimm Dir beim ersten Mal ruhig etwas Zeit für den Test. Er lohnt sich, denn danach näht es sich gleich viel entspannter und deine Nähte sehen deutlich professioneller aus.







